Nachklang eines besonderen Abends - Das Friedenskonzert in der Kageler Kirche
- Heimatverein Kagel e.V./SB

- 1. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Autor: Konrad Hochhold | Freundeskreis „Klassik in Kagel"
„Ruf nach Frieden" Dona nobis pacem
Friedenskonzert · Kirche Kagel · Grünheide (Mark) · Sonntag, 28. Juni 2026
Nachklang eines besonderen Abends in der Kirche Kagel
Bei einer Hitze, die in diesen Junitagen fast bedrohlich wurde, hätte man der Dorfkirche Kagel leere Bankreihen nachgesehen. Im Vorfeld war die Sorge groß, ob ein Konzert unter solchen Bedingungen überhaupt zu verantworten sei.
Umso schöner das Bild am Abend des 28. Juni: Rund siebzig Besucherinnen und Besucher füllten den von den alten Mauern angenehm kühl gehaltenen Raum — unter diesen Bedingungen, ein bemerkenswertes Ergebnis und ein deutlicher Hinweis, dass der Ruf nach Frieden in unserem Land, so auch in Kagel den Nerv der Menschen trifft.
Dass der Abend in dieser Form gelingen konnte, verdanken wir dem Freundeskreis „Klassik in Kagel" — und vielen helfenden Händen: der Evangelischen Kirchengemeinde, dem Heimatverein und dem Ortsbeirat Kagel, der Druckerei Zerbe in Hangelsberg und zahlreichen Nachbarn, die bei der Vorbereitung mit Rat und Tat zur Seite standen. Ohne sie wäre dieses Konzert nicht möglich gewesen.
Nachdem die Organisation abgeschlossen war, drohte dann alles zu zerbrechen. Der 86-jährige Schauspieler Gunter Schoß, als Sprecher der literarischen Texte vorgesehen, musste angesichts der tropischen Hitze, die Fahrt von Berlin nach Kagel auf ärztliches Anraten hin absagen. Auf Anregung von Maxi, der Enkeltochter des Veranstalters, nahm er die Lesungen elektronisch auf, sodass sie über Lautsprecher in den Kirchenraum getragen werden konnten. Das rettete nicht nur das Programm — auch aus der Konserve waren die markanten, von langer Bühnenerfahrung geformten Vorträge dieses großen Sprechers voller Leben und Gegenwart.
Die Musik
Den Rahmen setzte die historische Dinse-Orgel von 1871. Mit Johann Sebastian Bachs Dona nobis pacem aus der h-Moll-Messe öffnete Moritz Michalski den Abend — mit denselben drei Worten „Gib uns Frieden" -im Kanon von Bach sollte er enden.
Zum dritten Mal zu Gast in Kagel war der Geiger Oscar Bohórquez, „… einer der vielversprechendsten jungen Geiger. Seine hervorragende Technik, seine musikalische Tiefe und sein Charisma sind außerordentlich.” So bezeichnet Christoph Eschenbach den deutschen Geiger mit lateinamerikanischer Abstammung, gefragt auf den großen Bühnen dieser Welt, derauf einer kostbaren Guarneri Geige von 1717 — aus der Cremoneser Werkstatt des Giuseppe Guarneri filius Andreaemusizierte.
Gemeinsam mit Moritz Michalski an der Orgel ließ er in Tomaso Antonio Vitalis „Chaconne g-Moll“ die alte Klage zwischen Schmerz und Trotz aufleuchten, gab Astor Piazzollas „Oblivion“ sein melancholisches Innehalten und fand in Josef Gabriel Rheinbergers drei Stücken aus op. 150 (Abendlied, Pastorale, Elegie) zu warmer, abendlicher Stilleund tiefer Hoffnung.
Bemerkenswert war dabei eine Herausforderung, die das Publikum kaum bemerkte: Bohórquez und Michalski hatten erst am Vormittag des Konzerttages zum ersten Mal miteinander geprobt — und mussten im Zusammenspiel die Distanz von der Orgel bis vor den Altar überbrücken, wo der Geiger stand, da die Orgel nun einmal auf der Empore steht. Dass beide sich dennoch fanden, als hätten sie telepathische Drähte gespannt, war eine seltene Meisterleistung. Hätte der Geiger oben bei der Orgel gespielt, wäre ein Großteil der musikalischen Energie verloren gegangen; so aber erklang die Geige von vorn und der kraftvolle Ton der Guarneri erfüllte jeden Winkel der Kirche.
Eindrucksvoll auch das Schöneicher Duo — Daniel Bertko (Saxophon) und Tobias Goldhammer (Gitarre). Mit John Lennons Imagine und dem Desperado der Eagles spannten sie den Bogen von der klassischen Musik bis in unsere Tage und setzten genau jene Akzente, die zeigten, dass die Bitte um Frieden keine Frage der Epoche ist.
Das Wort
Zwischen die Werke traten die Stimmen der Friedensmahner: Bertolt Brechts „An die Nachgeborenen“ und „An meine Landsleute“ sowie Stefan Zweigs „Die Welt von Gestern“ und seine „Jeremias-Warnrede“ — gelesen von Gunter Schoß. Franz Werfels Die Wortemacher des Krieges lag dem Heft zum Nachlesen bei; eine Zeile daraus stand wie ein Motto über dem ganzen Abend: „Am lautesten reden noch immer die, die den Krieg nur mit Worten führen."
Und so mündete der Abend, wie er begonnen hatte, in das Dona nobis pacem — diesmal als Kanon, von der Orgel vorgetragen, den viele in Gedanken mitgesungen haben und im Herzen mit nach Hause trugen.
Die Botschaft
Insbesondere sind die Veranstalter und die Musikfreunde, die an der Vorbereitung mitgewirkt haben, froh darüber, dass durch die Koordinierung und Programmgestaltung die musikalischen und literarischen Werke der Friedensmahner aus Vergangenheit und Gegenwart erlebbar wurden, gerade jetzt - während in Europa, in der Ukraine, nur zwei Flugstunden entfernt, der Krieg tobt.
Die Erkenntnis, die das Publikum mit nach Hause nahm, war so schlicht wie unbequem: Frieden kommt nicht von allein. Er muss zu jeder Zeit neu errungen werden — mit mutigem Eintreten für Völkerrecht und Verständigung, nicht mit Waffen, Kriegsgebrüll und Verderben. Mit Musik und Worten hat Kagel dazu aufgerufen, Frieden zu geben.
Aus dem Publikum kam danach diese Rückmeldung:
„Jede Phase meines Körpers, meiner Seele wurde berührt bei diesem wohldurchdachten Programm. Ich kann gar nicht sagen, welche Beiträge mir am besten gefallen haben."
„Der langanhaltende Applaus war wohlverdienter Lohn für alle Mitwirkenden. Ein solcher Abend sollte nicht einmalig bleiben. Wir sind hungrig auf ein zweites Konzert im nächsten Jahr.“










































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